Tagung der EORTC-CLTG 2026 in Berlin: Weltweit vernetzt für eine bessere Versorgung bei CTCL

Mehr als 100 Präsentationen, über 200 Poster und eine gemeinsame Aufgabe: die globale Versorgung von Menschen mit kutanen Lymphomen verbessern. Die weltweit größte Konferenz zu CTCL brachte Fachleute zusammen, um Fortschritte in Forschung, Diagnostik und Therapie zu diskutieren. Nach der mittlerweile fünfjährigen Zusammenarbeit mit den CTCL-Expertinnen und Experten in Deutschland waren wir das erste Mal dabei.

Hintergrund der EORTC-CLTG: Internationales Netzwerk zur Erforschung und Behandlung kutaner Lymphome

Die EORTC-CLTG (Cutaneous Lymphoma Tumour Group) ist die Expertengruppe für Lymphome der Haut innerhalb der Europäischen Organisation für Krebsforschung und -behandlung (EORTC). Sie bringt Fachleute aus Medizin und Forschung zusammen, führt klinische Studien durch und entwickelt Empfehlungen für Diagnostik und Behandlung im Sinne einer besseren Versorgung und Lebensqualität der Betroffenen. Das Spektrum reichte von Genomik, Pathologie und Tumormikroumgebung bis zu diagnostischen und prognostischen Markern, klinischen Studien, Kombinationstherapien und dem Thema Lebensqualität.

Organisiert von den lokalen Experten

Prof. Chalid Assaf (Krefeld) war Kongresspräsident und wissenschaftlicher Leiter der in diesem Jahr von deutschen Mitgliedern ausgerichteten EORTC-CLTG-Jahrestagung 2026 in Berlin. Für den Erfolg der Veranstaltung und die lokale Organisation waren Dr. Rose Moritz und Dr. Gabor Dobos über die drei Tage unermüdlich im Einsatz.

Sterrys Vermächtnis und richtungsweisende Methodik

Besonders der die Tagung einleitende Vortrag zu Ehren von Prof. Wolfram Sterry (1949 bis 2020) half zu verstehen, warum ein besonderer Teamgeist in diesem Netzwerk herrscht. Man muss Professor Wolfram Sterry, den langjährigen Direktor der Hautklinik der Charité nicht kennen, wenn man gerade die Diagnose CTCL erhalten hat.

Aber Sterry prägte die Entwicklung der heutigen EORTC-CLTG maßgeblich. Von 1992 bis 1996 war er Vorsitzender der damaligen EORTC-Projektgruppe „Cutaneous Malignant Lymphoma“.

In seinem Gedenkvortrag veranschaulichte Prof. Assaf, worauf Sterrys wissenschaftliche Haltung und Herangehensweise basierte und wie sie die Arbeit und den Geist der EORTC-CTLG bis heute prägt.

Als Mitautor der EORTC-Klassifikation kutaner Lymphome von 1997 trug er dazu bei, CTCL in unterschiedliche Erkrankungsformen zu differenzieren – eine wichtige Grundlage für präzisere Diagnosen, vergleichbare Studien und eine auf das jeweilige Lymphom angepasste Behandlung.

Sterrys Credo: Genau hinsehen und sich gegen eine vereinfachende Gleichsetzung unterschiedlicher Erkrankungen wehren. So entstand eine sinnvolle Klassifikation von CTCL. Und darauf bestehen, dass biologische Forschung und klinische Versorgung zusammen gedacht werden. Institutionen aufbauen, die Zusammenarbeit ermöglichen – wichtig angesichts der geringen und über viele Länder verteilten Patientenzahl.

 

Besondere Ehrung für Susan Thornton von der Cutaneous Lymphoma Foundation (CLF)

Man muss auch die Susan Thornton (Philadelphia) nicht kennen, die am Ende der Tagung einen besonderen Preis für ihr Jahrzehnte langes Engagement für CTCL-Patienten in den USA und weltweit bekommen hat. Aber mich und viele inspiriert sie als erfahrene Patientenvertreterin, sich ehrenamtlich in diesem Bereich zu engagieren.

Susan Thornton brachte als selbst Betroffene über viele Jahre die Patientenperspektive in die Fachwelt ein. Sie wird Ende 2026 die Geschäftsführung der Cutaneous Lymphoma Foundation übergeben, einer Patientenorganisation, die sich weltweit vernetzt hat. „Das ist nicht nur eine Übergabe – es ist eine Reise, die wir gemeinsam unternehmen“, sagte Susan. „Ich bin stolz auf das, was wir aufgebaut haben, und zuversichtlich, dass Holly die Stiftung weiter gut voranbringt.“

Foto: Cutaneous Lymphoma Foundation

Auch Prof. Khaled Elsayad bekam einen Preis, den Young Investigators Award, für die Arbeit des Nachwuchsforschers  zu kutanen Lymphomen. Die Förderung junger Forschender soll Innovationen voranbringen und langfristig die Behandlungsergebnisse für Betroffene verbessern.

Holly Priebe, die die Leitung von Thornton übernehmen wird, führte durch das Patientenforum, in dem sich die Betroffenen aus Deutschland und Österreich erstmals selbst äußern konnten. Dort saßen vier Betroffene aus unserer Selbsthilfe Kutane Lymphome und berichteten vom schwierigen Leben mit CTCL.

Dabei ging es um den Verlust von Kontrolle über das eigene Leben, über die Stigmatisierung in der Öffentlichkeit und das Unverständnis der Umgebung. Aber auch um das Aufgefangenwerden in der Selbsthilfegruppe und die ermutigende Zusammenarbeit mit den Experten, um gemeinsam nach den besten Therapien zu suchen.

 

Zu so einem öffentlichen Auftritt gehört viel Mut, und deshalb wirklich Hut ab an alle Podiumsteilnehmer für die Bereitschaft, über die Situation der Betroffenen in diesem Rahmen zu sprechen.

Geballte Fachinformationen

Besonders patientenrelevant waren Ansätze, die Therapien wirksamer und weniger belastend machen könnten. Eine wichtige Keynote Lecture von Angela Relogio (Hamburg) befasste sich etwa mit der Chronobiologie und dem Phänomen der individuellen biologischen Tagesrythmen. So zeigten Studien, dass die Gabe von Krebsmedikamenten je nach Tageszeit unterschiedlich wirken kann. Nun gilt es, diese Zusammenhänge noch besser zu erforschen, um die Therapien danach zu optimieren. (Ein etwas älterer englischsprachiger Fachaufsatz mit CTCL-Bezug dazu: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11617894/)

Eine Untersuchung zur einmaligen Ganzhaut-Elektronenbestrahlung mit 4 Gy berichtete hohe frühe Ansprechraten bei geringer Toxizität. Ein solches Vorgehen könnte Krankenhausbesuche reduzieren; die Dauer der Wirkung muss weiter untersucht werden.

KI-gestützte Verfahren kombinieren klinische Informationen mit Gewebebildern, um frühe Mycosis fungoides besser von entzündlichen Hauterkrankungen zu unterscheiden. Forschung zum Energiestoffwechsel von Sézary-Zellen und zu immunologischen Signalwegen eröffnet mögliche neue Therapieansätze.

Diese Ergebnisse sind vielversprechend, benötigen aber weitere Forschung, bevor daraus verlässliche Anwendungen entstehen.

Wechselwirkung zwischen Hautmikrobiom – den auf der Haut lebenden Mikroorganismen – und CTCL

Mikroorganismen könnten die Krankheitsdynamik beeinflussen; gleichzeitig verändert die Erkrankung die Hautbesiedlung. Das Bakterium Staphylococcus aureus besiedelt häufig die Haut bei Mycosis fungoides (MF) und Sézary-Syndrom (SS). Antibiotika können die Krankheitsaktivität verringern, insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung. Bacillus safensis konnte im Labor bösartige T-Zellen aktivieren.

Eine geschädigte Hautbarriere, Veränderungen der Immunantwort, aber auch Juckreiz und Kratzen infolgedessen beeinflussen ebenfalls, welche Mikroorganismen auf der Haut leben. Was Ursache, Wirkung und Wechselwirkung sind, ist aber noch unklar.

Die Tagung lebte gleichermaßen von wissenschaftlichen Beiträgen und dem Austausch darüber. Dank gilt allen Vortragenden, Poster-Präsentierenden, Nachwuchsforschenden sowie den Patientenvertretenden, die den Mut hatten, über das Leben mit der Krankheit öffentlich zu sprechen.