Neues vom Deutschen Krebskongress: Strahlentherapie bei CTCL und nicht-melanotischen Hautkrebsformen

Der Deutsche Krebskongress 2026 fand vom 18. bis 21.2. in Berlin statt und gehört zu den größten onkologischen Fachkongressen im deutschsprachigen Raum. Dr. Khaled Elsayad (Marburg) stellte die Ergebnisse erfolgreicher Strahlenbehandlungen für nicht-melanotische Hautkrebsformen vor.

Wir sind froh, als Patientenorganisation (Hautkrebs-Netzwerk Deutschland e.V.) auch Teil des Deutschen Krebskongresses sein zu können. Unter dem Kongressmotto „zusammen – gezielt – zukunftsfähig“ waren einige der wichtigsten Schwerpunkte die Präzisionsonkologie, sektorenübergreifende Versorgung, Digitalisierung, Prävention und eine nachhaltige Weiterentwicklung der Krebsmedizin. Einen Überblick gibt es hier beim HKND:

Das Thema CTCL auf dem Krebskongress

Insgesamt war das Thema CTCL auf dem Kongress nur relativ schwach vertreten. Gleichzeitig war aber erkennbar, dass gerade jüngere Ärztinnen und Ärzte die „nicht heilbare, chronische MF“ als eine wichtige medizinische Herausforderung ansehen und sich zunehmend damit beschäftigen.

Spannend war außerdem der Hinweis, dass es offenbar in kurzen Abständen neue Angaben der WHO zu den Kategorien von MF bzw. CTCL gibt. Besonders bemerkenswert war eine kurze Aussage des Leipziger Professors Herling, der von einer CTCL-Form berichtete, die in Einzelfällen im Zusammenhang mit einer CAR-T-Zell-Therapie entstanden ist.

Vortrag: Strahlentherapie – „Allheilmittel“ bei nicht-melanotischen Hautkrebsformen?

Besonders interessant für CTCL-Betroffene war der Beitrag von Privatdozent Dr. med. habil. Khaled Elsayad, Universität Marburg, der mit seinem Bestrahlungskonzept offenbar neue Wege geht. Seine „Low-Dose“-Strategie zeigt erstaunliche Erfolge, auch bei Patientinnen und Patienten, die in fortgeschrittenen Stadien sowie mit Sézary-Syndrom bereits über längere Zeit systemisch mit Mogamulizumab behandelt wurden.

Vortrag mit Dr. Khaled Elsayad beim Deutschen Krebskongress 2026

Vortrag mit Dr. Khaled Elsayad beim DKK 2026. Foto: TG

Dr. Elsayad stellte im Rahmen diverser Fallpräsentationen die Ergebnisse erfolgreicher Behandlungen im Rahmen durchgeführter Strahlenbehandlungen für nicht-melanotische Hautkrebsformen vor.

Die Studienlage war bisher dünn

Beachtlich und schwer verständlich ist, dass für die Ergebnisse von Strahlentherapien bei nicht-melanotischen Hautkrebsformen seit Beginn dieser Behandlungsform vor fast 120 Jahren keine prospektiven Studien durchgeführt worden sind. Dies führte dazu, dass je nach medizinischer Einrichtung auch heute noch teilweise deutlich unterschiedliche Bestrahlungsstärken angewandt werden.

Sicher auch aufgrund dieser noch fehlenden umfassenden Evidenz empfehlen viele Ärzte ihren Patienten nur zögerlich eine Strahlentherapie, damit eine vermeintlich unvermeidbare „Verschlechterung ihrer Lebensqualität“ vermieden wird.

Im Dezember 2025 erschien diese prospektive Studie zur Niedrigdosis-Strahlentherapie: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/ddg.15851

Titel der Studie

Prospektive Studie zur Niedrigdosis-Strahlentherapie

Ein Fazit daraus: Patienten mit Mycosis Fungoides und Sezary-Syndrom können wirksam und sicher mit niedrig dosiertem TSEBT behandelt werden, sodass anschließende Therapien sowie weitere Behandlungen möglich sind. Die Patienten zeigen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bei gleichzeitig geringerer Toxizität.

Nunmehr sind also diesbezüglich bereits prospektive Studien veröffentlicht. Zwar gibt es diese nur in nicht randomisierter Form, so dass insoweit noch keine volle Evidenz besteht. Allerdings werden Leitlinien erstellt, damit die Strahlendosis richtig appliziert werden kann.

Als Leiter der Arbeitsgruppe Dermatoonkologie in der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO-ADO) lud Dr. Elsayad die zahlreich anwesenden Mediziner ein, in der Arbeitsgruppe mitzuwirken, um zukünftig verstärkt Evidenz zu schaffen.

Überzeugende Fallbeispiele der Niedrigdosis-Strahlentherapie

Vor diesem Hintergrund präsentierte Dr. Elsayad mehrere Fälle überzeugender und anhaltender Remissionen, auch – aber nicht nur – in fortgeschrittenen Stadien, nach durchgeführten Strahlenbehandlungen, wobei er auch schematisch die möglichen stadienabhängigen Behandlungsoptionen darstellte.

Hauptsächlich sind die in Frage kommenden Patienten über 60 Jahre alt, häufiger Männer als Frauen (in der Altersgruppe unter 60 Jahren mehr Frauen als Männer), etwa 80% der Behandlungen betreffen das Basalkarzinom, weitere das Plattenepithelkarzinom und Lymphome. Dabei haben sich je nach konkreter Behandlungsbedürftigkeit die Anzahl der Bestrahlungen und Bestrahlungsstärken bewährt.

Im Vorfeld werden immer mit den Patienten ausführlich die Möglichkeiten einer Operation mit Abwägung der Rückfallwahrscheinlichkeit, eine Immuntherapie – mit der voraussichtlich fehlenden vollständigen Remission – oder eben auch oder sogar ausschliesslich eine radiologische Behandlung besprochen. Diese Besprechungen folgen oft den Erkenntnissen des zuvor stattfindenden Tumorboards, um möglichst alle Aspekte eines Eingriffs zu berücksichtigen.
In den Fallpräsentationen, die – wie eingangs provokativ dargestellt – vereinzelt dazu verleiteten, radiologische Bestrahlungen geradezu als „Allheilmittel“ zu bezeichnen, konnten eindrucksvolle positive Ergebnisse dokumentiert werden.

Der von Dr. Elsayad und seinem Team seit einem Jahr in Marburg etablierte Standard von 10 x 4 Gray wird immer patientenspezifisch nach umfassender Beratung und persönlichen Vorstellungen der Patienten angepasst. Diese Modifizierungen führen regelmässig zu sehr guten Ergebnissen und weniger Nebenwirkungen.

Die jeweils erfragte Lebensqualität vor und nach der Strahlenbehandlung nach Skindex-29 (ein standardisiertes Fragebogeninstrument, das entwickelt wurde, um die Lebensqualität bei Hauterkrankungen zu erfragen) ist angabegemäss in allen Fällen besser geworden.

Im Rahmen eines beschriebenen Merkelzellkarzinoms war neben der direkten Remission auch der Befall der Lymphknoten – diese wurden mit 10 x 4 Gray bestrahlt – regredient (zurückgehend). Insbesondere auch aus kosmetischen Gründen zeigt hier die Bestrahlung gegenüber operativen Eingriffen deutliche Vorteile.

Im Falle der Mycosis fungoides (MF), der häufigsten Form des T-Zell-Lymphoms (CTCL), sowie des Sézary-Syndroms konnten in allen Stadien mehrheitlich komplette Remissionen erreicht werden.

Sehr eindrucksvoll waren Fallbeispiele, bei denen nach z. T. jahrelanger systemischer Behandlung mit u.a. Mogamulizumab bereits bei 1 Bestrahlung mit 4 Gray nach 4 Wochen eine komplette Remission erreicht wurde.

Von daher kann in positivem Sinne resümiert werden, dass die Strahlentherapie keinesfalls ein „Allheilmittel“ ist, aber in vielen Fällen bei einer nicht-melanotischen Hautkrebsform patientenzentriert und auch symptombezogen als wirksame Alternative oder Ergänzung zu anderen Behandlungsoptionen in Patienten- und Fachgesprächen Beachtung finden sollte.

TG